Pflege auf Distanz als Pflegeberaterin
Helga Claus ist als Pflegeberaterin bei compass tätig und berichtet, wie sie als Pflegende auf Distanz ihre über 600 Kilometer entfernt lebenden Eltern unterstützte und was ihr dabei half.

Helga Claus ist als Pflegeberaterin bei compass tätig und für Ratsuchende in Hessen unterwegs. Während sich ihr Lebensmittelpunkt also eher im Südwesten Deutschlands befindet, lebten ihre Eltern über 600 Kilometer entfernt und benötigten zunehmend Unterstützung. Frau Claus berichtet im Interview, wie sie als Pflegende auf Distanz ihre Eltern unterstützte und was ihr dabei half.
Pflegebedarf entwickelt sich oft schrittweise
Helga Claus, ihr Bruder – ebenfalls in Hessen ansässig – und ihre Eltern hatten schon immer ein enges, gutes Verhältnis. So fielen Veränderungen im Alltag der Eltern dann auch durch Kleinigkeiten früh auf:
“Wir haben uns im Sommer immer alle zu Familientreffen auch mit den Enkelkindern bei meinen Eltern im Garten getroffen und dieser war dann irgendwann nicht mehr so gut gepflegt, wie es üblich war. Und der Garten war wirklich das Herzstück meiner Mutter, er war ihr immer sehr wichtig und sie hat hier gerne ihre Zeit verbracht. Ebenfalls auffällig war, dass sie zunehmend Fertiggerichte, die man einfach zubereiten kann, vorrätig hatten und dass Briefe häufiger noch unbearbeitet da lagen. Also Behörden- oder Versicherungsangelegenheiten, bei denen meine Eltern dann Unterstützung gewünscht haben.”
Hinzu kamen gesundheitliche Veränderungen. Nach Krankenhausaufenthalten war ihr Vater zeitweise verwirrt. Solche Situationen machten für Helga Claus und ihren Bruder deutlich, dass sich die Anforderungen verändert hatten und neue Lösungen notwendig waren.
Während die Geschwister anfänglich abwechselnd jeweils einmal im Monat zu ihren Eltern reisten, wurde der Unterstützungsbedarf mit der Zeit größer: Helga Claus und ihr Bruder telefonierten teilweise täglich, teilten Aufgaben untereinander auf und informierten sich fortlaufend über Angelegenheiten, die ihre Eltern betrafen. So wussten beide jeweils welche Aufgaben noch Unterstützung benötigten und welche bereits erledigt waren.
Technische Hilfsmittel können Sicherheit geben
Helga Claus konnte auch dank Unterstützung durch ihre Arbeitgeberin compass ihre Eltern über längere Phasen hinweg und teilweise flexibler unterstützen. So konnte sie in akuten Phasen zum Beispiel Gleitzeittage nehmen und eine Weile ihre Arbeitszeit reduzieren. “Das war vor allem für Erledigungen wichtig, denen man nur an Werktagen nachgehen kann, wie beispielsweise Arztbesuche, Orgatermine mit der Bank oder auch einfach Besorgungen,” erläutert Helga Claus.
Neben der persönlichen Unterstützung durch sie selbst und ihren Bruder kamen allerdings auch technische sowie bauliche Maßnahmen zum Einsatz, die vor allem, wenn die Eltern allein waren, etwas mehr Sicherheit schenken konnten. So wurden zur Verringerung der Sturzgefahr die Lichtschalter zu Bewegungsmeldern umgebaut und ein zweites Treppengeländer installiert. Besonders essenziell war die telefonische Kommunikationsmöglichkeit:
“Mein Vater führte stets ein Handy mit sich und konnte sich so bei Bedarf unkompliziert und schnell melden. Videotelefonie über sein Tablet zum Beispiel mit Facetime war hingegen eher schwierig umzusetzen. Dafür haben wir später ein Tablet so eingerichtet, dass eingehende Anrufe automatisch angenommen wurden. Und da konnten wir dann sozusagen ins Wohnzimmer schauen und sprechen und meine Eltern uns auch sehen und hören. Das war besonders hilfreich, wenn wir gemerkt haben, dass sie versuchen uns anzurufen, aber es nicht so richtig mit der Verbindung oder den richtigen Knöpfen klappt.”
Verlässliche und vertraute Kontakte vor Ort können helfen
Eine wichtige Unterstützung war vor allem eine befreundete Familie aus der Nachbarschaft der Eltern. Sie hatten über viele Jahre hinweg einen vertrauensvollen Kontakt gepflegt und während die Eltern von Helga Claus in der Vergangenheit auch schon mal Anlaufpunkt für die Kinder der Nachbarsfamilie waren, konnten sie und ihr Bruder nun im Gegenzug diese Familie bitten, kurzfristig nach dem Rechten bei ihren Eltern zu schauen. Das war besonders hilfreich, wenn ein Elternteil gestürzt war oder akut Unterstützung benötigte.
Für Helga Claus war entscheidend, dass bereits ein Vertrauensverhältnis bestand. Ein solcher Kontakt müsse nicht neu organisiert werden, sondern könne aus langjährigen Freundschaften oder guter Nachbarschaft entstehen. Auch eine ehemalige Schulfreundin in konnte sie gelegentlich um Unterstützung bitten, etwa darum, ein Rezept abzuholen.
Damit die Hilfe nicht auf wenigen Schultern lastete, war es sinnvoll, Aufgaben auf mehrere Personen zu verteilen, in regelmäßigem Austausch miteinander zu stehen und den guten Kontakt auch zu pflegen.
„Dabei ist auch die Wertschätzung, meiner Meinung nach, sehr wichtig,“ führt Frau Claus aus. „Die Nachbar*innen meiner Eltern wollten gar kein Geld haben, aber mir war es wichtig, sie auch mal zu besuchen und auch nachzuhören, wie es ihnen selbst geht oder auch mal zu Weihnachten einen Gutschein für einen Museumsbesuch mit den Kindern mitzubringen oder ähnliches.“
Pflege auf Distanz braucht ein Netzwerk
Pflege auf Distanz ist eine Aufgabe, die Angehörige in der Regel nicht allein bewältigen müssen. Neben Familie und Freund*innen können auch Pflegedienste, Betreuungsangebote, Beratungsstellen und weitere Ansprechpersonen vor Ort unterstützen. Wichtig ist, dass Angehörige regelmäßig prüfen, ob die bestehende Organisation noch zur Situation passt. Denn im Verlauf einer Erkrankung oder zunehmender Pflegebedürftigkeit können sich Anforderungen verändern. Auch um dies zu erkennen, ist ein Netzwerk wichtig und hilfreich.
Beim Aufbauen von Netzwerken kann eine Pflegeberatung helfen, denn, wie Helga Claus erklärt: „Wir Pflegeberater*innen bei compass sind in den Regionen, in denen wir beratend unterwegs sind, gut vernetzt. Wir kennen die Strukturen und Angebote vor Ort und können auf diese und weitere Möglichkeiten auch aufmerksam machen. Selbstverständlich sind auch wir selbst bei compass ein gutes Netzwerk mit über 1000 Pflegeberater*innen in ganz Deutschland. Und so kann ich auch je nach Wunsch Beratungen an Kolleg*innen vor Ort weitergeben, wenn Pflegebedürftige*r und Angehörige*r nicht beide in meinem Beratungsgebiet leben.“
Helga Claus bringt ihre eigenen Erfahrungen auch in ihre Arbeit als Pflegeberaterin ein. Sie fragt Angehörige, die nicht am Wohnort der pflegebedürftigen Person leben, unter anderem, wie häufig sie vor Ort sind und ob es Kontakte zu Nachbar*innen oder anderen Vertrauenspersonen gibt. Sie zeigt Möglichkeiten auf und unterstützt sowohl mit ihrem langjährigen Erfahrungsschatz aus ihrer beruflichen Tätigkeit als auch mit den persönlichen Erfahrungswerten ihren Klient*innen.
Wer Fragen zu Pflegethemen oder zur Organisation einer Pflegesituation hat, kann einen Beratungstermin in Anspruch nehmen. Dafür kann über die Terminvereinbarung ein präferiertes Zeitfenster gewählt oder aber ein Rückruf vereinbart werden.

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