Berufliche Neuorientierung als Vater eines pflegebedürftigen Sohnes
Simon Picht ist Teamleiter im Team Ennepe-Ruhr-Kreis und Vater eines Sohnes mit einer Mehrfachbehinderung. Bei compass gelingt ihm die Verbindung von Job und Pflege. Er erzählt von seiner beruflichen Neuorientierung nach der Diagnose.
„Als mein Sohn im Sommer 2021 auf die Welt kam, habe ich in einer Leitungsposition in der Pflege gearbeitet“, erinnert sich Simon Picht. „Doch als meine Frau und ich etwa ein halbes Jahr nach seiner Geburt erfuhren, dass unser Sohn aufgrund eines unbekannten Gendefekts mehrfachbehindert ist, war für mich klar, dass ich mich beruflich neu orientieren muss, um Beruf und Pflege vereinbaren zu können.“ Die Pflege des eigenen Kindes sowie die vielen Untersuchungstermine mit engen Schichtplänen zu kombinieren, das war für Simon Picht mit hohem Stress und einem permanenten schlechten Gewissen verbunden. So begann er zu recherchieren, welche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten es gibt, und stieß nicht nur ziemlich schnell auf den Bereich der Pflegeberatung, sondern auch auf compass. „Ich habe gesehen, dass compass die Koryphäe für Pflegeberatung ist und war mir sofort sicher, dass ich nach meiner Weiterbildung versuchen möchte, eine Anstellung im Unternehmen zu bekommen“, erzählt der heutige Teamleiter im Team Ennepe-Ruhr-Kreis. Schon im April 2022 klappte der Wechsel und er begann bei compass als Pflegeberater vor Ort nach § 7a SGB XI.
In meiner Zeit als Pflegeberater vor Ort habe ich abends länger gearbeitet, wenn vormittags ein Kliniktermin mit meinem Sohn anstand. Das kam bei vielen meiner Klient*innen richtig gut an, weil ich viele Familien mit pflegebedürftigen Kindern beraten habe und die können ganz oft sowieso erst abends.
Simon Picht, Teamleiter bei compass
Heute ist Simon Picht Teamleiter im Team Ennepe-Ruhr-Kreis und freut sich auf die neue berufliche Herausforderung.
Erfahrungsaustausch auch innerhalb seines Teams
Seine privaten Erfahrungen sind auch beruflich immer wieder von Vorteil, erzählt Simon Picht: „Bei uns im Team ist die Begutachtung zur Feststellung eines Pflegegrades bei Kindern immer mal wieder ein Thema, weil die bei Kindern ja etwas anders funktioniert als bei Erwachsenen. Hier kann ich neben dem fachlichen Wissen, das wir alle haben, auch meine privaten Erfahrungen einbringen und das Team daran teilhaben lassen.“ Umgekehrt nimmt er aus dem fachlichen Austausch mit Kolleg*innen Informationen mit, die ihm auch in der Pflegesituation mit seinem Sohn helfen.
Nicht zuletzt in Beratungsgesprächen mit Familien empfindet er seine persönlichen Erfahrungen als Vorteil: „Ich kann nur immer wieder betonen, dass man als Eltern eines pflegebedürftigen Kindes Hilfe annehmen sollte – ob durch Entlastung zum Beispiel aus dem privaten Umfeld oder durch professionelle Unterstützung. Auch finanziell gibt es über die Leistungen der Pflegeversicherung hinaus Kostenträger wie Stiftungen, die Familien in dieser besonderen Lebenssituation helfen.“
Elternschaft mit einem pflegebedürftigen Kind
Auf die Frage, was Elternschaft mit einem pflegebedürftigen Kind von der anderer Eltern unterscheidet, sagt Simon Picht: „Unser Alltag ist natürlich ganz anders. Ich starte meinen Tag damit, dass ich Janosch jeden Morgen etwa eine dreiviertel Stunde pflege. Auch Arbeit und Pflege zu vereinbaren, war für mich anfangs eine Herausforderung, da ich unbedingt verhindern wollte, dass meine Vorgesetzte denkt, ich wäre nicht zuverlässig. Diese Befürchtung war zum Glück in meinem Team völlig unbegründet. Ich hatte nebenberuflich außerdem noch als Fotograf gearbeitet, aber zeitlich war das einfach nicht mehr machbar und so müssen manche Träume leider gehen.“ Dann spricht er ein Thema an, das auch in Pflegeberatungen von Familien mit einem pflegebedürftigen Kind oft zur Sprache kommt:
Wir haben uns als Eltern vor Janoschs Geburt nie mit unserem eigenen Tod auseinandergesetzt. Das ist plötzlich anders. Wir legen zum Beispiel gezielt jeden Monat Geld zur Seite, damit unser Sohn, auch wenn wir nicht mehr leben, abgesichert ist. Unser Ziel ist es für ihn ein Pflegeumfeld zu schaffen, wo er er selbst sein kann.
Simon Picht, Teamleiter bei compass
Glücklich im Job
Aus dem Einstieg als Pflegeberater vor Ort ist mittlerweile eine Teamleitung geworden. Simon Picht betont: „Ich bin beruflich sehr glücklich. Bei compass darf sein, dass man eine Pflegesituation hat. Das Gleitzeitmodell hier im Unternehmen gibt mir ein sehr gutes Gefühl, Job und Pflege bestmöglich zu vereinbaren – im Sinne meines Kindes und meiner Klient*innen.“ Dass seine strategischen Entscheidungen, die er im Laufe des ersten Lebensjahres seines Sohnes für seine berufliche Weiterentwicklung getroffen hat, am Ende aufgingen, macht Simon Picht sehr zufrieden.
Arbeiten bei compass
In vielen Regionen Deutschlands stellen wir Pflegeberatende ein. Schauen Sie gerne bei unseren Stellenangeboten vorbei, wenn Sie sich für eine Tätigkeit bei compass interessieren.