Finanziellem Missbrauch vorbeugen
Pflegebedürftige haben ein höheres Risiko Opfer von Betrug zu werden. Viele Angehörige fragen sich: Wie kann ich eine pflegebedürftige Person schützen, ohne ihre Selbstständigkeit einzuschränken?

Wer älter wird, wird verletzlicher. Mit aufkommender Hilfe- oder Pflegebedürftigkeit steigt auch die Gefahr Opfer finanzieller Ausbeutung oder von Missbrauch, zum Beispiel durch Betrug, zu werden. Gleichzeitig haben pflegebedürftige Personen grundsätzlich das Recht ihre finanziellen Angelegenheiten selbst zu regeln, ohne Bevormundung. An- und Zugehörige befinden sich dann oft auf einer Gradwanderung.
Ein wichtiger Punkt in der Pflegeberatung durch compass ist es deshalb, für dieses Thema zu sensibilisieren. In der Beratung wird auch auf typische Risikosituationen hingewiesen: welche Anzeichen zum Beispiel auf finanzielle Ausbeutung hindeuten können und wie sich der Alltag so strukturieren lässt, dass mehr Sicherheit entsteht. Dazu zählen etwa frühzeitige Gespräche über Vollmachten, klare Zuständigkeiten für Finanzen in der Familie, nachvollziehbare Abläufe bei Zahlungen sowie sinnvolle Grenzen bei Verträgen, Bargeld und dem Umgang mit Bankdaten.
Ziel ist immer, Schutz und Selbstbestimmung in ein gutes Gleichgewicht zu bringen und An- oder Zugehörige in ihrer Verantwortung zu stärken, ohne sie zu überfordern.
Frühzeitig gemeinsam finanzielle Angelegenheiten besprechen
Um Missbrauch vorzubeugen, helfen klare Absprachen in der Familie, wer welche finanziellen Aufgaben übernimmt, sowie eine transparente Dokumentation von Zahlungen und Kontobewegungen. Eine Vorsorgevollmacht oder Bankvollmacht können – gut überlegt und rechtzeitig geregelt – Zuständigkeiten klären und Missbrauch erschweren. Sinnvoll sind feste Grenzen, etwa gegenüber Haustürgeschäften, spontanen Vertragsabschlüssen oder der Herausgabe von Bankkarten und PINs. Kontoauszüge sollten regelmäßig geprüft, Lastschriften und Daueraufträge überwacht und wichtige Unterlagen geordnet sowie nicht frei zugänglich aufbewahrt werden.
Gerade bei Menschen mit Demenz ist es wichtig, frühzeitig über Vollmachten, Kontovollmachten und klare Absprachen in der Familie zu sprechen. Eine gute Planung schützt sowohl die pflegebedürftige Person als auch die Angehörigen.
Bianca Lauenroth, Teamleiterin bei compass
Wer typische Warnsignale kennt, kann schneller reagieren
Wichtig ist, frühzeitig auf mögliche Anzeichen zu achten. Warnsignale können z. B. unerklärliche Abbuchungen, häufige Barabhebungen, offene Rechnungen trotz ausreichender Einkünfte, neue oder unvorteilhafte Verträge, wiederholte Haustürgeschäfte, unerwünschte Telefonverkäufe oder plötzliche „neue Bezugspersonen“ sein, die sich stark in Geldangelegenheiten einmischen oder An- und Zugehörige von Informationen ausschließen.
Diese Maßnahmen sind ein wirksamer Schutz
An- und Zugehörige können sich auf Risikosituationen vorbereiten, indem sie:
- Frühzeitig mit der pflegebedürftigen Person über Geld, Vollmachten und Wünsche sprechen.
- Zuständigkeiten klar regeln (z. B. wer prüft Kontoauszüge, wer bezahlt Rechnungen).
- Transparenz schaffen: wichtige Zahlungen dokumentieren, Unterlagen geordnet ablegen.
- „Notfallregeln“ vereinbaren: keine Herausgabe von PIN, keine spontanen Haustürgeschäfte, bei Unsicherheit immer erst Rücksprache halten.
- Warnsignale kennen (ungewöhnliche Abbuchungen, neue „Vertraute“).
Zu allen Fragen der Vorsorge und finanziellen Organisation in einer Pflegesituation beraten wir Sie ausführlich und kostenfrei. Wir sind erreichbar unter der kostenfreien Servicenummer 0800 101 88 00. Beratungstermine können auch hier auf der Webseite gebucht werden.

Pflege Service Portal
Sie möchten sich zum Thema Pflege informieren? In unserem Pflege Service Portal pflegeberatung.de finden Sie hilfreiche Beiträge und Infomaterialien.
Zum Pflege Service PortalIhr Kontakt
Einen Termin vereinbaren
0800 101 88 00