Wenn pflegebedürftige Kinder erwachsen werden
Mehr als 390.000 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland pflegebedürftig. Wenn sie volljährig werden, stehen ihre Familien vor tiefgreifenden Veränderungen. compass macht zum Weltkindertag am 20. September 2026 auf die Bedeutung frühzeitiger Planung aufmerksam.

Eltern pflegebedürftiger Kinder geben oft über Jahrzehnte alles. Sie meistern komplexe Krankheitsbilder, begleiten ihre Kinder durch Kita, Schule und Alltag und kämpfen mit bürokratischen Anforderungen. Häufig sind sie dabei auch berufstätig oder leisten weitere Care-Arbeit. In dieser intensiven Begleitung gerät eine Frage häufig in den Hintergrund: Wie soll es weitergehen, wenn das Kind irgendwann selbst erwachsen ist?
Loslassen ist schwer – und dennoch notwendig
Die Auseinandersetzung mit der Zukunft eines pflegebedürftigen Kindes fällt vielen Eltern schwer. Sie erinnert an die eigene Endlichkeit und bedeutet, Verantwortung schrittweise abzugeben. Dennoch ist eine frühzeitige Planung entscheidend für die Sicherheit und Selbstbestimmung des jungen Menschen.
Tina Land, Pflegeberaterin bei compass, erklärt: „In unserer Beratungsarbeit erleben wir, wie belastend eine solche Pflegesituation für Familien sein kann. Pflegende Eltern sind oft sehr gut informiert, was Diagnosen und Leistungsansprüche betrifft. Was viele Familien mit pflegebedürftigen Kindern allerdings brauchen, ist eine intensive, emotionale Begleitung – eine, die das gesamte Familiensystem in den Blick nimmt und die unterschiedlichen Lebensphasen und Übergänge berücksichtigt."
Was sich mit der Volljährigkeit ändert
Mit dem 18. Geburtstag verändert sich die rechtliche Situation grundlegend. Eltern verlieren automatisch das Sorgerecht und können nicht mehr ohne weiteres stellvertretend Entscheidungen für ihr Kind treffen. Wichtige Weichenstellungen sind daher:
Vorsorgevollmacht: Der*die junge Erwachsene kann eine Vertrauensperson bevollmächtigen, ihn*sie in bestimmten Angelegenheiten zu vertreten.
Rechtliche Betreuung: Wenn eine Vollmacht nicht möglich ist, kann beim zuständigen Betreuungsgericht eine rechtliche Betreuung beantragt werden. Eltern können sich als ehrenamtliche Betreuungspersonen einsetzen lassen.
Dabei gilt stets: Der Wille und die Wünsche des jungen Menschen haben Vorrang.
Gemeinsam Antworten auf wichtige Zukunftsfragen finden
Neben rechtlichen Fragen geht es um die gesamte Lebensplanung. Familien sollten sich frühzeitig damit beschäftigen, wie das Kind wohnen möchte, wenn es erwachsen ist. In Frage kommen zum Beispiel Wohngruppen oder einer eigenen Wohnung mit externer Unterstützung. Auch mögliche berufliche Perspektiven und Fördermöglichkeiten sowie der Aufbau eines verlässlichen Netzwerks aus Bezugspersonen und Unterstützungsangeboten sollten Thema sein.
„Das Loslassen ist ein Prozess", weiß Tina Land. „Aber wer diesen Prozess aktiv gestaltet, schafft für das Kind und für sich selbst Sicherheit. Eine professionelle Beratung kann dabei helfen, Schritt für Schritt vorzugehen und die richtigen Weichen zu stellen." Hilfreich kann auch der Austausch mit anderen betroffenen Familien sein, etwa in Selbsthilfegruppen.
Beratung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt
compass bietet pflegenden Familien eine Beratung, die individuell auf ihre Situation zugeschnitten ist. Die Pflegeberater*innen von compass begleiten Familien entlang der unterschiedlichen Lebensphasen ihrer Kinder – von den ersten Schritten in Kita und Schule bis hin zu den Übergängen ins Erwachsenenleben. Die telefonische Pflegeberatung von compass steht allen Versicherten über die kostenfreie Servicenummer 0800 101 88 00 zur Verfügung. Vor-Ort-Termine und die Pflegeberatung per Videogespräch bietet compass für privat Versicherte an.

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