Wenn das Mobile aus dem Gleichgewicht gerät
Intensiv vernetzen sich Akteur*innen im Palliativnetz Oberhausen e. V. Mit dem Projekt FIBS wurde ein Angebot geschaffen, bei dem Familien von schwer Erkrankten unterstützt werden. Pflegeberaterin Maike Makrutzki und Teamleiterin Silvia Elschner berichten.
Regelmäßig kommen in Oberhausen Akteur*innen im Rahmen des Palliativnetz Oberhausen e. V. zusammen, um sich fachlich auszutauschen, gemeinsame Angebote zu entwickeln und sich zu Neuigkeiten gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Nach siebzehn Jahren als loses Netzwerk wurde das Netzwerk 2024 als Verein neu gegründet. Mit dabei sind Vertreter*innen aus allen relevanten Institutionen aus Oberhausen, sowie beispielsweise der Palliativversorgung und -pflege, der Trauerunterstützung, der Krebsberatung und viele weitere. Auch Silvia Elschner, Leitung des compass-Beratungsteams Ruhrgebiet/Niederrhein, und ihr Teammitglied Maike Makrutzki engagieren sich hier im Rahmen ihrer Netzwerkarbeit.
Starke Vernetzung für starke Unterstützung
Intensive regionale Vernetzung kann Versorgungs- und Unterstützungsstrukturen maßgeblich stärken – das zeigt sich in einem neuen Projekt, dass das Palliativnetz Oberhausen in diesem Jahr ins Leben gerufen hat. Die spendenfinanzierte Beratungsstelle FIBS (Familien.Informieren.Beraten.Stärken) hat mitten in Oberhausen-Sterkrade ihre Türen geöffnet.
Das Ziel: Eine ganzheitliche und gut vernetzte Anlaufstelle bieten für Familien, in denen jemand schwer erkrankt ist. Dabei steht das gesamte Familiengefüge im Blick. Maike Makrutzki erläutert: „In diesem Kontext wird gerne das Sinnbild eines Mobiles genutzt. Wenn ein Teil sich verändert, dann ändern sich auch die Positionen von allen anderen – mitunter hängen sie schief und brauchen Unterstützung. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Opa an Krebs erkrankt und die Enkelin dann vielleicht in der Schule durch Traurigkeit oder schlechter werdende Noten auffällt. Hier möchte die Beratungsstelle ansetzen.“
Austausch beim Netzwerktreffen
Im Juni 2026 waren die Mitglieder des Palliativnetzes und weitere Akteur*innen zu einem Treffen in den FIBS-Räumlichkeiten eingeladen. Etwa 30 Personen kamen zusammen bei Kaffee und Croissants. Um sicherzustellen, dass sich auch neue Gesichter in der Runde kennenlernen konnten, startete die Veranstaltung mit einer Vorstellungsrunde. „Mit Stoppuhr“, lacht Maike Makrutzki. „Bei so vielen Teilnehmenden muss man die Zeit im Blick haben.“ Gemeinsam mit Silvia Elschner und Teamkollegin Antje Rößler waren sie vor Ort.
Neben weiteren Austauschmöglichkeiten wurden beim Netzwerktreffen viele Infos und Eindrücke aus den ersten Monaten der FIBS-Beratungsstelle geteilt. „Es war toll zu hören, dass sich bereits über zehn Familien haben beraten lassen. Auch spontan sind schon Leute vorbeikommen. Die zentrale Lage macht das Angebot niedrigschwellig erreichbar“, erzählt Silvia Elschner.
Raum für schwierige Gefühle
Maike Makrutzki sieht darin eine starke Parallele zu ihrer eigenen Arbeit in der Pflegeberatung, besonders wenn es um Menschen geht, die ihre letzte Lebensphase begonnen haben.
Aufschlussreich fand ich es zu hören, dass es nicht immer um reine Wissensvermittlung geht, sondern dass es oft Raum bedarf, um Gefühle zu äußern und gemeinsam Wege des Umgangs zu finden. Das erlebe ich auch oft in meinen Beratungen. Natürlich spielen in der Pflegeberatung das systematische Erfassen von Bedarfen und das sachliche Aufzeigen von Optionen eine zentrale Rolle. Genauso wichtig ist oftmals aber auch die psychosoziale Entlastung, die wir durch unser offenes Ohr bieten können.
Maike Makrutzki, Pflegeberaterin nach § 7a SGB XI bei compass
Silvia Elschner nimmt aus dem Netzwerktreffen im Juni noch einen Gedanken für ihre Arbeit mit, nämlich die Relevanz von Prävention. Besonders in der palliativen Versorgung sei es wichtig, im Auge zu behalten, dass man präventiv wirken kann – sowohl für die erkrankte Person als auch für das Familiengefüge um sie herum.
Ein zentraler Gedanke
Eine schwere Erkrankung und die Konfrontation der eigenen Sterblichkeit bringt komplexe Emotionen und Erfahrungen mit sich. Daher sind auch die in der Pflegeberatung erörterten Bedarfe vielfältig. Relevant werden, können beispielsweise Unterstützung bei Folgeerkrankungen, der Wunsch des Austauschs mit anderen Betroffenen, Mittel gegen Einsamkeit, Trauerbegleitung für An- und Zugehörige und vieles mehr. Aus diesem Grund betont Silvia Elschner noch einen weiteren Aspekt: „Die Vernetzung ist besonders in der Arbeit im palliativen Bereich ein zentraler Gedanke. Für uns ist die Teilnahme Palliativnetz Oberhausen also ungemein bereichernd.“
Auch Nicole Peters-Bokelmann, die das Palliativnetz Oberhausen e. V. koordiniert und die Beratungsstelle FIBS leitet, teilt diese Auffassung:
Ich freue mich wirklich sehr, dass das Palliativnetz Oberhausen so viel Zuspruch erfährt und mit der compass pflegeberatung eine weitere starke und wichtige Akteurin in der Oberhausener Pflegeszene im Netzwerk begrüßen darf.
Nicole Peters-Bokelmann, Koordinatorin des Palliativnetz Oberhausen e. V. und Leiterin des FIBS
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